Setup für die Zuordnung der Positionsdaten
In diesem Artikel beschreibe ich den Workflow, den ich einsetze, um den Fotografien, die ich mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR) erstellt habe, die GPS Aufnahmekoordinaten zuzuweisen, die ich mit meinem GPS-Logger aufzeichne. Entstanden ist der Workflow, als ich damit beschäftigte, wie ich die Zuordnung von GPS Daten zu Fotografien im RAW Format bewerkstelligen könnte, aber nirgends eine Beschreibung für dieses Setup finden konnte. (GPS Daten und JPEG Dateien werden in der Regel von allen Tools direkt unterstützt.)
Der Workflow ist auf die nachfolgend dargestellten Rahmenbedingungen ausgelegt. Anhand dieser Rahmenbedingungen beschreibe ich meinen Workflow, er sollte sich jedoch weitgehend auf andere Setups anpassen lassen.
Eingesetzte Hardware
- Digitale Spiegelreflexkamera (in meinem Fall ein Canon EOS Modell) und Fotografieren im RAW Format
- Wintec WSG-1000 Geo-Logger
Eingesetzte Software
- Betriebssystem Windows
- Adobe Photoshop Lightroom 2.x
- Time Machine X (gehört zum Wintec WSG-1000, v2.7.1)
- GeoSetter (Freeware, v3.1.20)
Aufzeichnung der GPS-Daten
Den Wintec GPS-Logger WSG-1000 habe ich gewählt, weil er ein Display besitzt und es somit sehr einfach ist, die Uhrzeit der Kamera an die exakte GPS Zeit anzupassen, denn nur eine möglichst genaue Übereinstimmung der Uhrzeiten erlaubt eine möglichst präzise Zuordnung von GPS Daten zu den Aufnahmen.
Den Logger habe ich mittels der dazugehörigen Software "Time Machine X" so konfiguriert, dass er immer einen Wegpunkt aufzeichnet, wenn 15 Sekunden vergangen sind und mindestens 10m Distanz zum letzten Wegpunkt vorliegen.
Transfer der Daten vom GSP-Logger zum PC
Um die Daten vom GPS-Logger zum PC zu transferieren, schaltet man den Logger ein und schließt ihn mittels des USB Kabels an den PC an. Danach startet man die Time Machine X Software, die zum Gerät gehört.
Unter dem Punkt "Geräte-Einstellungen" transferiert man nun mittels "Log auslesen", die aufgenommenen Wegpunkte vom Gerät in die Software. Danach kann man bei Bedarf mittels "Aufnahmen löschen" die Wegpunkte vom GPS-Logger löschen (siehe Abbildung 1).
Unter "Track-Konvertierung" werden als nächstes die heruntergeladenen Wegpunkte in das NMEA Format konvertiert (siehe Abbildung 2). Dies ist ein universelles Format zum Austausch der GPS-Daten. Die konvertierte Datei wird dann in ein Verzeichnis kopiert, das ich nutze, um dort sämtliche GPS-NMEA-Dateien zu speichern (siehe Abbildung 3).
Da Time Machine X nicht mit RAW-Dateien, die ich beim Fotografieren generiere, umgehen kann, endet an dieser Stelle die Nutzung der Software.
Abbildung 1 - Daten aus GPS-Logger auslesen
Ist der GPS-Logger angeschlossen, sind die Buttons "Log auslesen" und "Aufnahmen löschen" aktiv.
Abbildung 2 - Konvertierung TK1 nach NMEA
Die Option zum Konvertieren ins NMEA Format befindet sich im Kontextmenü der passenden TK1 Datei
Abbildung 3 - Kopieren der Datei im NMEA Format
Der Kopieren Befehl befindet sich im Kontext-Menü der zu kopierenden Datei. Diese ist danach in der Zwischenablage und kann in Zielverzeichnis mittels "Einfügen" eingefügt werden.
Import der RAW-Dateien in Lightroom
Der nächste Verarbeitungsschritt erfolgt in Adobe Photoshop Lightroom. Also erstes werden die Fotos in Lightroom importiert (sofern dies noch nicht geschehen ist). Dort kann man seine Entwicklungs-Presets verwenden, Keywords zuweisen, etc.
Im nächsten Schritt werden dann alle Bilder markiert, denen GPS Informationen zugeordnet werden sollen. Dann speichert man alle Metadaten der Bilder mittels „Metadaten -> Metadaten in Datei speichern“ in XMP-Sidecar-Dateien (siehe Abbildung 4). In diesen Dateien sind dann sämtliche Metadaten und Entwicklungseinstellungen enthalten. Für jede RAW Datei gibt es eine XMP-Datei, die im gleichen Verzeichnis liegt, wie die zugehörige RAW-Datei.
Wenn Lightroom alle Sidecar-Dateien gespeichert hat, beendet man Lightroom.
Abbildung 4 - Sidecar-Dateien speichern/laden
Die Sidecar-Dateien, auch XMP-Dateien genannt, die alle Metadaten eines Bildes enthalten, können im Metadaten-Menü gespeichert und später wieder geladen werden.
GPS-Daten den Bildern mittels Geosetter zuordnen
Um nun die GPS-Daten den Bildern zuzuordnen, startet man GeoSetter.
Als erstes sollte man die Einstellungen hinsichtlich der Bild-Daten-Verarbeitung verifizieren. Die Einstellungen, die ich für meine Canon CR2 RAW-Dateien verwende, sind aus Abbildung 5 ersichtlich. Die Einstellungen bewirken, dass Geosetter nicht versucht, die geänderten Metadaten in die RAW-Dateien zurückzuschreiben. Dies wird zwar für einige RAW-Formate unterstützt, meine Versuche sahen jedoch so aus, dass nach dem Schreiben von Änderungen in RAW-Dateien die RAW-Dateien hinterher häufig kleiner waren als vorher. Dies war mir ohne lange Fehlersuche suspekt, daher habe ich mich entschlossen, mit den XMP-Dateien zu arbeiten.
Jetzt müssen folgende Schritte pro Verzeichnis, in denen die zu bearbeitenden Bilder liegen (ggf. auch abhängig von den Importeinstellungen von Lightroom), durchgeführt werden:
Man wechselt in GeoSetter in das Importverzeichnis, in dem die Fotografien liegen. Dann markiert man alle (relevanten) Bilder. Zum Markieren aller Bilder hilft das unter Windows allseits behilfliche Strg+A. Nun lässt man GeoSetter die GPS Informationen mit den NMEA Datei synchronisieren. Dies erfolgt am schnellsten mittels Strg+G. In dem sich öffnenden Fenster wählt man dann das Verzeichnis, in das man seine NMEA-Dateien speichert (siehe Abbildung 6). Unter Umständen wird man während des Imports zur Auswahl oder Eingabe der Ortsbeschreibungen aufgefordert, wenn zu einer GPS Position mehr als eine Lokationsbeschreibung auf dem entsprechenden Quell-Server im Internet vorhanden ist. Am Ende des Bearbeitungsvorgangs hat man die Möglichkeit eine Track-Datei mit den zutreffenden GPS-Punkten in ein Verzeichnis zu speichern. Ich speichere die Track-Datei immer im gleichen Verzeichnis, in dem die Bilder liegen. Als nächstes schreibt man die Änderungen in die XMP-Dateien zurück. Dazu achtet man darauf auf, dass alle Dateien markiert sind (was sie ggf. noch von der Auswahl her sind) und drückt Strg+S. Nachdem die XMP-Dateien geschrieben wurden, wechselt man ins nächste Verzeichnis und wiederholt die Verarbeitungsschritte.
Ist alles erledigt, beendet man GeoSetter und startet wieder Lightroom.
Abbildung 5 - Einstellung für die RAW Dateien
Hier sind die Einstellungen für das Canon CR2-Format dargestellt. Theoretisch kann Geosetter auch geänderte CR2 Dateien schreiben, da es bei meinen Versuchen dabei aber zu deutlichen Größenunterschieden kam, habe ich diese Funktionalität zugunsten der Nutzung von Sidecar-Dateien deaktiviert.
Abbildung 6 - GPS-Daten & Bilder synchronisieren
Importieren der Änderungen in Lightroom
In Lightroom markiert man wieder alle relevanten Fotografien und liest die Metadaten aus den XMP-Dateien in die Lightroom Datenbank (siehe Abbildung 4). Dabei erhält man ggf. den Hinweis, dass dabei alle Daten in Lightroom überschrieben werden. Dies bestätigt man. Nachdem der Import beendet ist, sollte man Stichprobenartig verifizieren, ob der Import geklappt hat. Ich hatte noch nie Probleme, bin aber aus Prinzip misstrauisch. War der Import erfolgreich und ist alles glatt gelaufen, so kann man die GPS-Daten in den Metadaten der Bilder sehen (siehe Abbildung 7).
Als letztes kann man sich überlegen, was man mit den XMP-Dateien machen möchte. Man kann sie in den Verzeichnissen stehen lassen oder aber löscht diese, nach Beenden von Lightroom, einfach wieder. Ich selbst packe die XMP-Dateien für den Fall der Fälle (Importfehler) in eine ZIP-Datei und lasse diese im Bilderverzeichnis liegen.
Abbildung 7 - Hinzugefügte GPS-Daten in Lightroom
Fazit
Mit diesem Schritt ist man bereits fertig und sollte nun die entsprechenden GPS-Daten in Lightroom verfügbar haben.
Insgesamt hält sich der Aufwand dafür ziemlich in Grenzen und dafür hat man "für alle Ewigkeit" die Lokationen, an denen man seine Fotografien gemacht hat, konserviert.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen (Unklarheiten, Verbesserungsmöglichkeiten) zu diesem Artikel? Dann senden Sie mir doch eine E-Mail.
Nachtrag 22.03.2010
Einen alternativen Artikel zu einem Geotagging Workflow habe ich auf Arstechnica.de gefunden.
Letzte Änderung am 22.03.2010. (Originalveröffentlichung 15.11.2009)



